DIVERGENCES 2
Revue libertaire internationale en ligne
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"Andante an der Kante"
Protestaktion gegen Braunkohle
On-line gesetzt am 24. August 2015
zuletzt geändert am 31. August 2015
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Konzert im Tagebau unter dem Motto "Andante an der Kante"
100 musizierende Demonstranten im Tagebau Hambach

Die Musiker von Lebenslaute sind bekannt für ihre außergewöhnlichen Konzerte, vorzugsweise dort, wo sich gesellschaftliche und politische Konflikte zeigen. Dafür erhielten sie 2014 den Aachener Friedenspreis.


Am Sonntag (23.08.2015) sind sie nach einer angemeldeten Demonstration in Manheim bei Kerpen bis in den Tagebau weitergezogen und haben dort neben dem Bagger ein Konzert gegeben - ohne Genehmigung. "Das ist eine ganz bewusste Aktion des zivilen Ungehorsams", sagte Armin Olunczek vom Orchester Lebenslaute dem WDR während der Chor, begleitet vom Orchester einen Choral aufführt. "Hinter uns ist der Bagger und neben uns das Förderband steht still", sagt er am Telefon. Dass ihnen eine Anzeige wegen Haus- und/oder Landfriedensbruchs droht, nähmen sie dabei in Kauf. Kurz vor 18 Uhr erlebt WDR-Reporter Heinz Horst an der Tagebaukante, wie mehr als 100 Demonstranten in das Tagebaugelände eindringen und dabei von der Polizei nicht abgehalten werden können. Der Werksschutz versucht das Konzert zu übertönen und weist mit Lautsprecherdurchsagen darauf hin, dass sie sich auf Betriebsgelände befinden wo sie sich in Gefahr begeben. Das Konzert hat aber ohne Gewalteskalationen begonnen.

Training im "Sich-Wegtragen-Lassen"

Die Musiker geben seit 1986 Konzerte an ungewöhnlichen Orten, etwa vor Waffenfabriken oder Atommüll-Endlagern. Polizeilich angemeldet sind solche Aktionen nicht. Deshalb proben die Musiker bei ihren Treffen neben dem Repertoire auch das "Sich-Wegtragen-Lassen". Ihre formelle Bekleidung wirke beim Kontakt mit der Polizei gewöhnlich deeskalierend, heißt es auf der Homepage der Gruppe. Dem Protest-Orchester gehören sowohl Berufsmusiker an als auch ausgebildete Laien.

Musiker als Friedensaktivisten

Die Musiker verstehen sich als Friedenaktivisten: "Wir machen Musik zu einer gewaltfreien Aktion zivilen Ungehorsams. Lebenslaute-Aktionen suchen die politische Konfrontation durch angekündigten und bewussten Gesetzesübertritt", so beschreibt sich die Gruppe in einer Erklärung selbst. 2014 wurde das Orchester mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. Im Tagebaugebiet finden mehrere Aktionstage des Orchesters statt. Da die Akustik im Tagebau natürlich deutlich schlechter ist als im Konzertsaal, hat das Orchester bereits am Freitag (21.08.2015) sein Können in der "Grundschule im Park" in Kerpen-Buir unter Beweis gestellt.

Aktivisten ketten sich an Förderband

Zuvor hatten sich vier Aktivisten am frühen Samstagmorgen (22.08.2015) im Tagebau Hambach in vier Metern Höhe an ein Förderband gekettet, sagte ein Sprecher der Polizei in Düren. Der Betreiber RWE stoppte das Förderband. Die Kohlekraftwerke seien nicht eingeschränkt gewesen, sagte ein RWE-Sprecher. Die restliche Förderanlage sei weiter in Betrieb gewesen. Die Anlage verbindet den Tagebau mit den Kraftwerken. Eine technische Spezialeinheit der Polizei löste die Aktivisten bis zum späten Samstagmittag von dem Förderband. Die Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruchs und der Störung öffentlicher Betriebe.

Eskalation am vergangenen Wochenende

Bereits am vergangenen Wochenende hatten Braunkohlegegner mit einer Blockadeaktion im Tagebau Garzweiler einen großen Polizeieinsatz ausgelöst. Gegen Hunderte Aktivisten wird wegen Haus- und Landfriedensbruchs, sowie wegen anderer Delikte ermittelt. Kritik wurde auch gegen eine von RWE eingesetzte Sicherheitsfirma laut, deren Mitarbeiter offenbar zusammen mit der Polizei gegen die Demonstranten vorgegangen waren. Dabei sollen die privaten Wachleute teilweise höchst rabiat vorgegangen sein. Ein Mitarbeiter der Sicherheitsfirma hatte die Vorwürfe gegenüber dem WDR grundsätzlich bestätigt.

Pressemitteilung von Lebenslaute nach erfolgreicher Baggerblockade
24. August 2015

„Lebenslaute-Konzertblockade verlief erfolgreich
Braunkohleabbau stundenlang lahmgelegt

Um 22:30 Uhr beendeten die MusikaktivistInnen von Lebenslaute ihre Konzertblockade im Braunkohletagebau Hambach. Über fünf Stunden lang standen alle Räder still. Bereits am Morgen hatte sich RWE aufgrund der angekündigten Proteste gezwungen gesehen, die Baggerarbeiten auf der ersten Ebene einzustellen. Als Orchester und Chor um 17:30 Uhr in das Gelände eindrangen und kurze Zeit später mit dem Konzert begannen, musste auch das Hauptförderband gestoppt werden.

Der Werkschutz von RWE und die Polizei waren schnell mit großen Kräften vor Ort, fanden aber keinen Weg, die Blockade zu vertretbaren Kosten zu beenden. „Unser entschlossenes Vorgehen und unsere Aktionsform haben den Sicherheitskräften keine Möglichkeit zum Eingreifen gegeben. Und kann es sich RWE leisten, ein 70köpfiges Orchester mit Chor von der Polizei räumen zu lassen? Offenbar nicht. Das ist ein Ergebnis des langjährigen, vielfältigen und immer breiter werdenden Protests gegen die klimaschädliche Kohle “, so Marcus Beyer von Lebenslaute. „Dazu gehören
Bürgerinitiativen, Massenaktionen wie ‚Ende Gelände‘ und der tägliche Widerstand der AktivistInnen auf der Hambacher Wiese und im Forst.“

Gegen 20:30 machte RWE ein „Angebot“: Falls die Aktion sofort beendet würde, könnten Lebenslaute und ZuhörerInnen ohne die angekündigten Anzeigen wegen Hausfriedensbruch gehen. Dieser Vorschlag wurde freundlich zurückgewiesen. Stattdessen wurde das Konzert nach einigen Hauptwerken mit Kammermusik fortgesetzt; es wurden u.a. ein Flötenquartett von Mozart gespielt und die erste Cello-Suite von Bach.

Als sich später erneut der große Chor formierte, setzte starker Regen ein. Aufgrund der massiven Polizeipräsenz war es Lebenslaute nicht möglich, zusätzlich zu zwei mitgebrachten Pavillons weiteren Regenschutz zum Tagebau zu bringen. Wegen des nicht nachlassenden Regens entschlossen sich die AktivistInnen, ihr Blockadekonzert mit zwei Chor-Stücken zu beenden. Den Rückweg nahmen sie zu genau dem Ort, an dem am Mittag bei der Abschlusskundgebung der Demonstration Polizeikräfte den Zugang zum Tagebau noch verstellt hatten. Auf dem Nachhauseweg
sangen die MusikerInnen: „Es tönen die Lieder, wir kommen bald wieder.

Video: Ausschnitt aus dem Konzert

https://vimeo.com/137082981

Wir singen und spielen, wo immer wir woll´n.“

Seit 1986 verbindet Lebenslaute klassische Musik mit politischer Aktion.
Das 2014 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnete, bundesweite Ensemble von MusikerInnen zwischen 16 und 80 Jahren führt klassische Musik dort auf, wo sie nicht erwartet wird, u.a. auf Militärübungsplätzen, vor Atomfabriken und auf Abschiebeflughäfen. Durch Zivilen Ungehorsam suchen die Konzerte von Lebenslaute die politische Konfrontation gerade dort, wo unter Berufung auf Gesetze Unrecht geschieht.

Aktuelle Fotos finden Sie auch auf: www.lebenslaute.net“


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